Uffa, da wurde ja heute einiges geschrieben. Schön, dass solche Diskussionen so einen Anklang finden.
phoenix hat geschrieben:
dazu nehme ich gerne das zitat, dass auch momentan in meiner signatur steht:
"everyone lives within their own subjective interpretation. that's called reality."
Ich würde folgendes trefflicher finden: "Everyone live within their own subjective interpretation, thats called reality"
Deine Version besagt, dass es nur eine Realität gibt, meine Version besagt, dass es soviele Realitäten gibt wie es Menschen gibt.
Natürlich ist dein Satz nicht weniger wahr, denn zumindest in meiner Realität trifft auch deine Version zu, aber ich finde meine sagt mehr aus.
phoenix hat geschrieben:
zum kreis:
genau genommen [...] (hoffe ihr versteht was ich meine)
1) Wieso muss man zwischen einem gefülltem und einem leeren Kreis unterscheiden? Ich finde das für meine Argumentation oben völlig unerheblich.
2) Mit den Punkten ist das auch so ein Ding. In der Realität (jedenfalls in der stofflichen) gibt es keine Punkte. Es gibt punktartige Gegenständige, die einem Punkt ähneln, aber sie alle haben eine Ausdehnung und sogar eine Form. Zwei Eigenschaften die ein Punkt nicht hat.
phoenix hat geschrieben:
wie sieht überhaupt rot aus? angenommen mein gehirn würde die informationen aus meinen augen anders interpretieren als andere, sodass für mich braun wie das rot der anderen aussehe, aber ich seit ich denken kann gelernt habe, dass mein braun rot ist?
ist mein rot jetzt "falsch", nur weil es sich von dem rot der anderen unterscheidet?
Dir kann niemand sagen wie rot aussieht. Wir haben einfach auf Dinge gezeigt und gesagt: Das ist rot. Wie das für jeden einzelnen aussieht kann niemand genau wissen. Für mich z.B. sehen manche Rottöne grün aus und andersrum. Ich weiß aber trotzdem wenn ich ein bestimmtes "grün" sehe, dass es für alle anderen rot aussehen muss und bezeichne es als rot.
Wie ich auch schon im "übernatürliches"-Thread geschrieben habe, finde ich, dass Abstraktionen wie "Baum" oder auch "rot" lediglich Verabredungen sind, damit wir mit anderen Menschen über Dinge reden können. Die Realität kann mit Worten jedenfalls nicht wiedergegeben werden.
Das ganze Farbbeispiel passt aber natürlich auch gut in die Objektivitäts-Diskussion. Allerdings finde ich dein Beispiel dann auch wieder ungeeignet, weil es so speziell ist. Man verirrt sich dann schnell in Beispiel-Spezifischen Einzelheiten z.B. wie das mit den Lichtwellen aussieht, und das Lichtwellen vielleicht garnicht exestieren sondern nur Erfindungen des Menschen sind um gewisse Phänomene zu erklären und zu berechnen.

(In der Physik gibt es schon alleine 3 Modelle für Licht. Je nachdem was man gerade berechnen will ist Licht gerade ein Strahl, eine Welle oder ein Teilchen. Das zeigt doch schon wie verformbar der Begriff "Wahrheit" eigentlich ist)
TomDe hat geschrieben:
Jeder Mensch muss den zu beweisenden Gegenstand entweder sehen, schmecken, riechen, fühlen und oder hören können.
Warum versteifst du dich so auf den Menschen? Sollte eine wirkliche Objektivität nicht für alles und jeden gelten und nicht nur für die Menschen. Denn mal ganz ehrlich: Die Menschlichen Sinnesorgane sind sowas von unpräzise und stumpf, dass ich damit nichts beweisen wollen würde. Und selbst wenn die menschlichen Sinnen in allen Belangen die besten der Welt wären, würde man damit immernoch nichts beweisen können.
TomDe hat geschrieben:
Wenn ein Mensch alles nicht kann, dann wäre er selber nicht in der Lage etwas objektiv wahrzunehmen.
Ich kann sehen, schmecken, riechen, tasten (ist besser als fühlen) und hören. Kann ich etwas objektiv warhnehmen? Ich denke nicht. Es gibt doch eigentlich nichts, was subjektiver ist, als die eigenen Sinneswahrnehmungen.
TomDe hat geschrieben:Jetzt gibt es aber viele Dinge, die wir mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen können.
Lichtwellen, Atome, Quanten etc.
Bei vielen von diesen Dingen würden wir trotzdem sagen, dass sie objektiv betrachtet vorhanden sind, genau wie mein Baum im Garten, aber warum?
Warum? Weil du einem Glauben angehörst. Dieser Glauben nennt sich Wissenschaft. Früher konnten die Menschen Gott nicht mit ihren Sinnen wahrnehmen. Aber es gab Geistliche, die mit meditaven Techniken glaubten Gott gefunden zu haben oder ihm näher gekommen zu sein. Und die Menschen haben es ihnen geglaubt, auch wenn sie diese meditativen Techniken nicht verstehen konnten.
Heute können die Menschen Atome und Quanten nicht mit ihren Sonnen wahrnehmen. Aber es gibt Forscher, die mit wissenschaftlichen Techniken glauben die Wahrheit gefunden zu haben oder ihr näher gekommen zu sein. Die Menschen glauben ihnen, auch wenn sie die wissenschaftlichen Techniken nicht verstehen können.
Wissenschaftlich ist eine Art Religion und forschen ist ihr Gebet.
Ok, das ist etwas provokant ausgedrückt, aber ich denke die Richtung, die ich damit andeuten wollte, ist klar geworden.
Ich bin mir sogar mehr als sicher, dass Quanten z.B. von Anfang an nicht für reell existent gehalten wurden, sondern nur eine Hilfstheorie sind, um bestimmte Phänomene zu erklären. Ähnlich ist es auch mit Elektronen. Elektronen haben keine Ausdehnung. Trotzdem drehen sie sich um ihre eigene Achse. Irgendwie komisch, oder? Sowas kann reell garnicht existieren.
An dieser Stelle verweise ich nochmal auf die 3 Modelle von Licht (siehe oben).
Dread hat geschrieben:
Wenn ein Mensch einen anderen Menschen erschlägt, so ist das Objektiv gesehen ein Verbrechen.
Kommt ganz auf Ort und Zeit an. In manchen Ländern darf man auch heute noch andere Menschen erschlagen, wenn sie z.B. versucht haben etwas zu stehlen o.ä.
Auch in Deutschland ist es erlaubt einen anderen Menschen zu töten, wenn das eigene Leben in direkter Bedrohung ist und man sich nur so verteidigen kann (Notwehr).
Wenn das Opfer jedoch vorher schon hundert andere Menschen getötet hat... was ist es dann?
Das macht den Fall nicht anders. Was ein Mensch getan hat ist für die Fragestellung, ob das Töten dieses Menschen ein Verbrechen ist oder nicht, nicht relevant. Zumindest in Deutschland ist das so.
Also die Gesetzesgebung zu nehmen, um an Objektivität zu kratzen, finde ich ungünstig, weil gerade die Gesetzte eines der "objektivsten" Dinge ist, die es gibt. Oder um im Informatiker-Slang zu reden: Ein Gesetz ist ein Algorithmus. Das heißt eine folge von Anweisungen (Gesetze), die beim gleichen Input (Sachlage) auch das gleiche Output (Urteil) erzeugt.
Zumindest theoretisch.
Dread hat geschrieben:Die Grenze der eigenen Freiheit ist die Einschränkung der Freiheit anderer.
Du kannst bei der Definition von Freiheit schlecht das Wort Freiheit selbst verwenden. Denn die Freiheit der anderer liegt ja wieder bei der Einschränkung der Freiheit anderer, die wiederum bei der Einschränkung der Freiheit anderer, die wiederum bei der Einschränkung der Freiheit anderer liegt, liegt.
Ein Zirkelschluss.
Aber trotzdem danke für den einen Satz.

Ich denke so PI mal Daumen werden die meisten Leute wissen du meinst. Aber aus philosophisch-wissenschaftlicher Sinn ist es natürlich ungünstig die Definition eines Wortes auf das Wort selbst zurück zu führen.
Dread hat geschrieben:
Ja... das ist mir auch gerade aufgefallen. Ich beneide euch beide um eure Wortfindung.
Hehe, es freut mich, dass du den Gehirnschmalz, den man vielleicht schon investiert hat um solche Dinge zu erkennen und sie in Worte zu fassen, anerkennst.

Ich scheitere leider in jedem gutem Gespräch mit Freundn an der Grenze der Sprache, deswegen fangen wir auch schon an die Sprache mit unserer eigenen Wörtner zu erweitern. Das ist natürlich nur eine kleine Abhilfe, aber ist schonmal besser als nichts. *g*
Ich würde an dieser Stelle nochmal versuchen wollen der Diskussionen eine gewisse Richtung zu verleihen.
Wir scheinen uns ja bisher alle darüber einig, dass die "wahre" Objektivität garnicht möglich ist und vielleicht nicht mal existiert. Die Fragestellung dieses Threads lautet ja aber zum Glück auch "
In wie weit ist Objektivität möglich?"
Deswegen wäre es vielleicht sinnvoll, wenn wir anfangen uns darüber Gedanken zu machen was wir im Alltag als objektiv anerkennen wollen.
Ich denke TomDe hat da auch schon ein paar Denkansätze gebracht.